Leitfaden zur Direktwerbung für Medikamente (Direct-to-Consumer, DTC)
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Die Direktwerbung für Medikamente (Direct-to-Consumer, DTC) ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Diskussionsthema geworden. Diese Werbung, die sich an Verbraucher statt an medizinisches Fachpersonal richtet, trägt nachweislich zu einem größeren Bewusstsein der Patienten und einer höheren Nachfrage nach bestimmten Medikamenten bei. Sie wird jedoch auch dafür kritisiert, dass sie möglicherweise zu Überdiagnosen und Übertherapien führt.

Im Zuge aktueller Trends bei Pharmaunternehmen sind die Gesamtausgaben für Marketing bekanntermaßen höher als deren Forschungsbudget. Weltweit wurden 1,42 Billionen US-Dollar für Marketing ausgegeben. In den USA wurden 2021 486,62 Milliarden US-Dollar für die Vermarktung von Arzneimitteln an Ärzte ausgegeben; in Kanada waren es 2022 29.305,1 Millionen US-Dollar. Bei der Aufschlüsselung dieser Zahlen waren 56 % kostenlose Muster, 25 % „Detailing“ durch Pharmareferenten (direkte Bewerbung von Arzneimitteln bei Ärzten), 12,5 % Direktwerbung an Verbraucher, 4 % Detailing bei Krankenhäusern und 2 % Zeitschriftenanzeigen2. Manchmal können negative Marketingpraktiken sowohl Patienten als auch das Gesundheitspersonal beeinträchtigen.

 

Arten der pharmazeutischen Öffentlichkeitsarbeit

Quelle: Pharmazeutisches Marketing – Wikiwand

Pharmazeutische Werbung für die breite Öffentlichkeit

Für die Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente gegenüber der breiten Öffentlichkeit – auch als Direct-to-Consumer-Werbung (DTC) bekannt – gelten strenge Einschränkungen. Bei der Öffentlichkeitsarbeit für verschreibungspflichtige Medikamente muss die Kommunikation bestimmte grundlegende Anforderungen erfüllen:

  1. Die zulässige Konsistenz von Werbung und Verkaufsförderung für verschreibungspflichtige Arzneimittel stützt sich auf den Verwendungszweck, für den das Produkt von der FDA zugelassen ist (die von der FDA zugelassene Produktinformation des Arzneimittels). Die Produktinformation enthält Informationen darüber, wie das Produkt für die zugelassene Indikation sicher und wirksam angewendet wird. Werbung und Verkaufsförderung, die nicht mit der von der FDA zugelassenen Produktinformation übereinstimmen, gelten als unzulässige „Off-Label“-Werbung.
  2. Die Werbung und Verkaufsförderung für verschreibungspflichtige Arzneimittel erfordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produktnutzen und -risiken. Dabei muss sichergestellt werden, dass diese Informationen hinsichtlich Tiefe, Detailgrad und Kontext vergleichbar erscheinen.
  3. Produktangaben sollten durch ausreichend fundierte Belege oder klinische Erfahrungen gestützt werden.
  4. Wahrheitsgemäß und nicht irreführend – Wenn Werbung und Verkaufsförderung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in irgendeinem Punkt falsch oder irreführend sind, gilt dies gemäß dem Federal Food, Drug, and Cosmetic Act (FDCA) als falsche Kennzeichnung und kann rechtlich verfolgt werden.
  5. Verwendung einer verbraucherfreundlichen Sprache unter Vermeidung von Fachausdrücken, wissenschaftlichen Begriffen und Medizinargon in der auf Verbraucher ausgerichteten Werbung und Verkaufsförderung. Sie muss der zugelassenen Kennzeichnung oder der Monographie des Produkts entsprechen.

Informationen in der Pharmawerbung für die breite Öffentlichkeit

Verbraucherausgerichtete Werbung und Verkaufsförderung für verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen die folgenden Kernelemente enthalten, wie vom FDCA und den Vorschriften der Food and Drug Administration (FDA) gefordert.

  1. Marken- und etablierte Namen sollten den Vorgaben der FDA-Vorschriften entsprechen
  2. Sie sollte die quantitative Menge der Inhaltsstoffe des beworbenen Arzneimittels enthalten.
  3. Sie sollte eine „Kurzzusammenfassung“ enthalten, die sämtliche Nebenwirkungen, Warnhinweise, Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen aufführt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf wichtigen Risikoinformationen und nicht auf einer erschöpfenden Liste aller produktbezogenen Risiken. Die meisten Risiken werden so dargestellt, dass sie für Verbraucher möglichst leicht verständlich sind.
  4. Wesentliche Produktrisiken sollten klar, gut sichtbar und neutral als „Wichtige Erklärung“ dargestellt werden.
  5. Meldepflichtige Warnhinweise für unerwünschte Ereignisse bei DTC-Werbeanzeigen müssen die folgende MedWatch-Erklärung in gut lesbarem Text enthalten: „Sie werden ermutigt, negative Nebenwirkungen von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln der FDA zu melden. Besuchen Sie www.fda.gov/medwatch oder rufen Sie an unter +1–800-FDA-1088“
  6. Erinnerungskennzeichnung und -werbung sind von den allgemeinen Anforderungen ausgenommen. Wichtig ist, dass Erinnerungskennzeichnung und -werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel mit einem Kastenwarnhinweis (Boxed Warning) in ihrer von der FDA zugelassenen Produktinformation nicht zulässig sind

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Für die Direkt-an-den-Verbraucher-Arzneimittelwerbung (DTC)

Einschränkungen für Interaktionen zwischen Patienten oder Patientenorganisationen und der Industrie

Interaktionen zwischen Pharmaunternehmen und Patienten bzw. Patientenorganisationen sind nur in wenigen Ländern wie den US erlaubt, allerdings mit Einschränkungen, wie zum Beispiel:

  1. Müssen zugelassen und im Rahmen der Zulassung bzw. CFL sein
  2. Ausgewogen
  3. Ausreichend belegt und
  4. Weder falsch noch irreführend

Darüber hinaus dürfen Interaktionen mit Kunden nicht gegen das Anti-Kickback-Statut verstoßen, indem Patientenorganisationen oder Patienten dazu veranlasst werden, das beworbene Produkt zu empfehlen oder zu verwenden.

In UK ist die Direktwerbung für Arzneimittel an die Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt, schließt jedoch Kinder aus. Die Werbung für rezeptpflichtige Medikamente in der Öffentlichkeit ist untersagt. Werbung muss den Namen des Produkts und den Namen des Wirkstoffs enthalten. Produktproben oder Gutscheine, die es Verbrauchern ermöglichen, das Produkt kostenlos oder zu einem unangemessen niedrigen Preis zu erhalten, sind nicht zulässig.

In Deutschland ist die Publikumswerbung für Arzneimittel ausschließlich für Kinder unter 14 Jahren zulässig. Die Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gegenüber der Öffentlichkeit ist verboten. Es gelten jedoch auch spezielle Regeln für die Werbung für Arznei- und Heilmittel außerhalb der Fachkreise. Diese Sonderregeln sind hauptsächlich im Heilmittelwerbegesetz („HWG“) geregelt und wurden durch das Arzneimittelgesetz („AMG“) an die Richtlinie 2001/83/EG4 angepasst.

Diskussion über die Möglichkeit von Arzneimittelwerbung im digitalen Zeitalter

Befürworter der Direktwerbung für Arzneimittel argumentieren, dass sie Patienten stärkt, indem sie ihnen Informationen über Behandlungsoptionen zur Verfügung stellt. Sie weisen zudem darauf hin, dass dies zu einer erhöhten Nachfrage nach Medikamenten führen kann, was für Pharmaunternehmen vorteilhaft ist.

Andererseits argumentieren Kritiker der Direktwerbung für Arzneimittel, dass sie zu Überdiagnosen und Übertherapie führen kann. Sie behaupten, dass diese Werbung häufig den Nutzen von Medikamenten übertrieben darstellt und gleichzeitig die Risiken herunterspielt, was dazu führt, dass Patienten ihre Ärzte nach Medikamenten fragen, die sie möglicherweise gar nicht benötigen. Darüber hinaus erklären sie, dass dies zu höheren Gesundheitskosten führen kann, da Patienten möglicherweise eher teurere Markenprodukte statt günstigere Generika verschrieben bekommen.

Trotz der anhaltenden Diskussionen wird es die Direct-to-Consumer-Werbung (DTC) für Medikamente weiterhin geben. Die FDA hat Richtlinien für diese Werbeform herausgegeben, die unter anderem Anforderungen an den Hinweis auf Risiken und ein ausgewogenes Verhältnis von Nutzen und Risiken beinhalten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die DTC-Werbung für Arzneimittel das Potenzial hat, Patienten aufzuklären und die Nachfrage nach bestimmten Medikamenten zu steigern. Es ist jedoch auch wichtig, mögliche Nachteile zu berücksichtigen und sich der Grenzen der Informationen bewusst zu sein, die in diesen Werbeanzeigen vermittelt werden. Wie immer gilt: Konsultieren Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Healthcare-Einrichtung, bevor Sie Medikamente einnehmen. Wenden Sie sich für eine End-to-End-Compliance an die Freyr-Experten!

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