MDR, PSUR, PMS und PMCF: Aufbau eines nachvollziehbaren und einheitlichen Systems für Nachmarktdaten
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Gemäß der EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 werden Nachmarktdaten nicht mehr als nachträglicher regulatorischer Nachgedanke betrachtet. Aktivitäten wie die Marktüberwachung (PMS), regelmäßige Sicherheitsberichte (PSURs) und die klinische Nachbeobachtung nach dem Inverkehrbringen (PMCF) sind nun zentrale Bestandteile des Lebenszyklus klinischer Daten und werden von den benannten Stellen im Rahmen von Konformitätsbewertungen und laufenden Überwachungsaudits genauestens geprüft.

Die Erfahrungen im Rahmen der MDR zeigen, dass viele Beanstandungen der Aufsichtsbehörden nicht auf fehlende Unterlagen zurückzuführen sind, sondern auf eine unzureichende Rückverfolgbarkeit und mangelnde Abstimmung zwischen dem PMS, dem PSUR, PMCF und dem klinischen Bewertungsbericht (CER). Die Entwicklung eines kohärenten Systems zur Erfassung von Nachmarktdaten ist daher unerlässlich, um die fortlaufende Einhaltung der Vorschriften nachzuweisen, die Zulassung aufrechtzuerhalten und die dauerhafte Angemessenheit der klinischen Nachweise zu gewährleisten.

Von der Marktüberwachung bis zur Evidenzgewinnung

Der Umfang und der Zweck der Aktivitäten nach dem Inverkehrbringen haben sich im Rahmen der MDR erheblich erweitert. Das PMS beschränkt sich nicht mehr nur auf die Bearbeitung von Beschwerden und die Meldung von Sicherheitsvorfällen; es handelt sich vielmehr um einen strukturierten und proaktiven Prozess zur aktiven Erfassung, Analyse und Auswertung von Daten aus der Praxis zur Sicherheit und Leistung von Medizinprodukten.

Diese Absicht unterstreicht deutlich, dass die Ergebnisse des Post-Market-Surveillance-Systems direkt in das Risikomanagement, die Aktualisierung der klinischen Bewertung und die Nutzen-Risiko-Abwägung einfließen müssen. Post-Market-Daten sind daher nicht nur ergänzend, sondern stellen vielmehr eine Erweiterung der zum Zeitpunkt der Zulassung erarbeiteten klinischen Evidenzbasis dar und müssen während des gesamten Lebenszyklus des Produkts gepflegt werden.

PMS als Grundlage für Nachmarktdaten

Ein robustes PMS-System bildet die Grundlage sowohl für PSUR- als auch für PMCF . Die benannten Stellen prüfen, ob in den PMS-Plänen Datenquellen, Analysemethoden und Rückkopplungsmechanismen im Qualitätsmanagementsystem klar definiert sind.

Ein wirksames PMS geht über die reine Datenerfassung hinaus, indem es verschiedene Datenströme integriert, darunter Beschwerden, Trendberichte, Vigilanzdaten, Register, Literaturüberwachung und Rückmeldungen zur Leistung in der Praxis. Wichtig ist, dass die benannten Stellen von den Herstellern erwarten, dass sie nachweisen, wie die PMS-Daten ausgewertet und nicht nur erfasst werden.

Diese Erwartung stützt unmittelbar den Lebenszyklusansatz bei der klinischen und Leistungsbewertung, bei dem Erkenntnisse aus der Zeit nach der Markteinführung genutzt werden, um klinische Annahmen, die während der Bewertung vor der Markteinführung getroffen wurden, zu bestätigen oder zu verfeinern.

PSUR: Zusammenfassung der Erkenntnisse zu Sicherheit und Wirksamkeit

PSURs dienen als formeller Mechanismus zur regelmäßigen Zusammenfassung und Bewertung von Daten zur Sicherheit und Leistung nach dem Inverkehrbringen für Medizinprodukte mit erhöhtem Risiko (Klasse IIa, IIb und III). Im Rahmen der MDR sind PSURs keine eigenständigen Sicherheitszusammenfassungen, sondern analytische Dokumente, die die fortdauernde Akzeptanz des Nutzen-Risiko-Profils des Produkts nachweisen müssen.

Die benannten Stellen erwarten, dass die Schlussfolgerungen der PSUR mit folgenden Punkten übereinstimmen:

  • PMS-Trendanalyse
  • Ergebnisse der Meldungen im Rahmen der Vigilanz
  • Aktuelles zum Risikomanagement
  • Schlussfolgerungen der klinischen Bewertung

Unstimmigkeiten zwischen PSURs und CERs gehören zu den häufigsten Feststellungen bei MDR-Audits. Ein PSUR, in dem sich abzeichnende Risiken oder Leistungstrends festgestellt werden, muss entsprechende Aktualisierungen der klinischen Bewertung und, falls erforderlich, PMCF nach sich ziehen. Diese Erwartungen werden in den MDCG-Leitlinien zu den PSUR- Anforderungen bekräftigt.

PMCF Instrument zur Schließung klinischer Evidenzlücken

PMCF innerhalb des Rahmens für die Nachmarkt-Evidenz eine eigenständige und gezielte Rolle. Es dient nicht dazu, wahllos klinische Daten zu generieren, sondern spezifische, während der klinischen Bewertung festgestellte verbleibende Unsicherheiten zu beseitigen.

Die benannten Stellen prüfen zunehmend, ob PMCF eindeutig begründet sind, indem sie:

  • Einschränkungen bei den klinischen Daten vor der Markteinführung
  • Bei den Angemessenheitsprüfungen gemäß Artikel 61 festgestellte Lücken
  • Entwicklungen im Stand der Technik
  • Informationen aus PMS- und PSUR-Aktivitäten

Diese Erwartungen sind in MDCG 2020-7 dargelegt, in dem die Rückverfolgbarkeit zwischen den Schlussfolgerungen der klinischen Bewertung und PMCF festgelegten PMCF hervorgehoben wird.

Unzureichend begründete oder allgemeine PMCF werden bei Audits häufig beanstandet, insbesondere wenn sich die klinische Bewertung stark auf die Fachliteratur oder auf Äquivalenz stützt.

Rückverfolgbarkeit: Die zentrale Anforderung an benannte Stellen

Bei PMS, PSUR und PMCF ist die Rückverfolgbarkeit die wichtigste Anforderung im Rahmen der MDR. Die benannten Stellen prüfen, ob klare und dokumentierte Zusammenhänge zwischen den Nachmarktdaten, den Risikomanagementmaßnahmen, den Aktualisierungen der klinischen Bewertung und den behördlichen Entscheidungen bestehen.

Ein rückverfolgbares System zeigt:

  • Wie PMS-Befunde ausgewertet und weitergeleitet werden
  • Wie sich die Schlussfolgerungen aus PSURs auf die Nutzen-Risiko-Bewertung auswirken
  • Wie PMCF eingeleitet, angepasst oder abgeschlossen werden
  • Wie die Gesamtdaten aus der Marktbeobachtung in den CER einflossen

Durch die Einbindung dieser Zusammenhänge in umfassendere Verfahren zum Lebenszyklusmanagement von Medizinprodukten können Hersteller die Konsistenz ihrer behördlichen Unterlagen gewährleisten und eine fragmentierte Darstellung der Nachweise vermeiden.

Nachmarktdaten und die Anforderungen an die Vollständigkeit gemäß Artikel 61

Nachmarktdaten spielen eine entscheidende Rolle bei der Untermauerung der ausreichenden klinischen Evidenz gemäß Artikel 61. Benannte Stellen prüfen routinemäßig, ob PMCF aus dem Post-Market-Surveillance-System (PMS), den regelmäßigen Sicherheitsberichten (PSUR) und PMCF klinischen PMCF die im Vergleichsbericht (CER) getroffenen Annahmen bestätigen oder widerlegen.

Dies ist besonders wichtig bei älteren Geräten, bei denen historische Daten möglicherweise nicht mehr die aktuelle klinische Praxis oder den aktuellen Stand der Technik widerspiegeln. Darüber hinaus sind laufende Daten aus der Nachmarktphase unerlässlich, um die Evidenzbasis langfristig aufrechtzuerhalten.

Besondere Aspekte bei SaMD KI-basierten Geräten

Bei Software als Medizinprodukt (SaMD) und KI-gestützten Technologien müssen die Systeme zur Nachmarktüberwachung schnelle Iterationen, Software-Updates und sich wandelnde Anwendungsumgebungen berücksichtigen. Im Rahmen von PMS- und PMCF müssen Leistungsmetriken, das Verhalten von Algorithmen und klinische Ergebnisse aus der Praxis unter Umständen dynamischer erfasst werden als bei herkömmlichen Medizinprodukten.

Diese Herausforderungen spiegeln sich in den IMDRF-Leitlinien zur klinischen Bewertung von Software als Medizinprodukt (SaMD) sowie in den regulatorischen Standpunkten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu digitaler Gesundheit und künstlicher Intelligenz wider. Die Hersteller müssen klar darlegen, wie die nach der Markteinführung gewonnenen Erkenntnisse die fortlaufende Validierung der klinischen Leistungsfähigkeit untermauern.

Fazit: Aufbau eines nachhaltigen Systems für Nachmarktdaten im Rahmen der MDR

Im Rahmen der MDR PMCF PMS, PSUR und PMCF keine isolierten Compliance-Maßnahmen mehr. Zusammen bilden sie ein kontinuierliches System zur Erhebung von Nachmarktdaten, das die klinische Bewertung, die Nutzen-Risiko-Abwägung und das Vertrauen der Regulierungsbehörden untermauert.

Hersteller, die ihre Prozesse nach dem Inverkehrbringen unter Berücksichtigung von Rückverfolgbarkeit, Nachweispflicht und Integration des gesamten Lebenszyklus gestalten, sind besser in der Lage, die Erwartungen der benannten Stellen zu erfüllen und die Konformität langfristig aufrechtzuerhalten. Ein einheitliches System zur Dokumentation nach dem Inverkehrbringen unterstützt nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen, sondern stärkt auch die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der klinischen Bewertung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg.

Wie Freyr die Integration von Daten nach der Markteinführung unterstützt

Die Entwicklung eines einheitlichen Systems für die Nachmarkt-Evidenz erfordert eine Abstimmung zwischen den Bereichen Klinik, Zulassung, Qualität und Risikomanagement. Freyr unterstützt Hersteller bei der Entwicklung von PMS-Strategien, der Erstellung von PSURs, der Konzeption PMCF und der Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit zwischen den Ergebnissen der Nachmarktüberwachung und den klinischen Bewertungsberichten.

Die Experten von Freyr unterstützen Unternehmen dabei, auf Feststellungen der benannten Stellen zu reagieren, die Abstimmung der Nachweise über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verbessern und die Anforderungen der MDR für die Zeit nach der Markteinführung sowohl für bestehende als auch für innovative Medizinprodukte umzusetzen. Wenn Sie Unterstützung bei PMS, PSUR, PMCF oder der Strategie für klinische Nachweise nach der Markteinführung gemäß EU MDR benötigen, wenden Sie sich an einen Freyr-Experten, um Ihre regulatorischen Ziele zu besprechen.

Über den Autor

Dr. Radhika Ramachandran leitet das Global Regulatory Medical Writing Center of Excellence (CoE) bei Freyr Inc. und erstellt Zulassungsunterlagen sowie Strategien für globale Regulierungsrahmen im Bereich Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika (IVD). Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen Medizintechnik, klinische Forschung und Zulassungsstrategie ist sie auf die Entwicklung und Überprüfung von wirkungsvollen Zulassungsdokumenten spezialisiert, die den globalen Standards entsprechen, darunter EU MDR die EU-IVDR. Sie bietet MedTech-Unternehmen strategische Beratung und maßgeschneiderte Lösungen für das Verfassen von Zulassungsdokumenten und unterstützt sie bei Zulassungsanträgen und der Dokumentation des Produktlebenszyklus. Dr. Radhika hat einen Doktortitel in Biotechnologie und ist zertifizierte Medical Writerin, die an über 1.500 Zulassungsdokumenten mitgewirkt hat. Ihr aktueller Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von künstlicher Intelligenz und digitaler Gesundheit zur Transformation des regulatorischen Medical Writing.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Die Marktüberwachung (Post-Market Surveillance, PMS) ist ein proaktives System zur Erfassung und Analyse von Daten aus der Praxis über den gesamten Lebenszyklus eines Medizinprodukts hinweg. Ein periodischer Sicherheitsbericht (Periodic Safety Update Report, PSUR) fasst die Ergebnisse der Marktüberwachung zusammen und bewertet regelmäßig das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei Produkten mit erhöhtem Risiko. Im Rahmen der klinischen Nachbeobachtung nach dem Inverkehrbringen (Post-Market Clinical Follow-up,PMCF) werden gezielt klinische Daten erhoben, um die fortdauernde Sicherheit und Leistungsfähigkeit zu bestätigen und als Grundlage für Aktualisierungen der klinischen Bewertung zu dienen.

Die Rückverfolgbarkeit gewährleistet, dass die aus der Marktüberwachung (PMS) und PMCF gewonnenen Daten aus der Praxis PMCF in die Schlussfolgerungen der PSUR und die Risikobewertungen im Rahmen der klinischen Bewertung (CER) einfließen. Die benannten Stellen legen zunehmend Wert auf klare, dokumentierte Zusammenhänge zwischen diesen Komponenten, um die fortdauernde Akzeptanz des Nutzen-Risiko-Verhältnisses und die Einhaltung der Anforderungen der Medizinprodukteverordnung (MDR) nachzuweisen.

Hersteller sollten PMS-, PSUR- und PMCF in ihr Qualitätsmanagementsystem (QMS) integrieren, wobei Datenquellen, Analysemethoden, Rückkopplungsschleifen zum Risikomanagement und zur klinischen Bewertung sowie eine dokumentierte Begründung für die gewählten Methoden festgelegt werden müssen. Diese systemische Integration stärkt das Vertrauen der Aufsichtsbehörden und unterstützt die Kontinuität der Lebenszyklus-Evidenz.

Freyr unterstützt die Entwicklung schlüssiger Rahmenkonzepte für die Nachmarkt-Evidenz, indem es PMS-Strategien aufeinander abstimmt, PSURs erstellt, fundierte PMCF strukturiert und die Rückverfolgbarkeit zwischen den Ergebnissen der Nachmarktphase und der klinischen Bewertung sicherstellt. Dieser lebenszyklusorientierte Ansatz verbessert die regulatorische Bereitschaft, berücksichtigt die Feststellungen der benannten Stellen und gewährleistet die langfristige Einhaltung der MDR.

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