- Einleitung
- Das Evidenzparadigma der MDR: Von „dem Vorliegen einer CER“ zu „fundierten klinischen Evidenz“
- Regulatorische Absicht: Warum die MDR strengere klinische Nachweise verlangt
- Der Lebenszyklus der klinischen Bewertung gemäß der MDR
- Aufbau eines fundierten klinischen Befundberichts
- Ältere Geräte im Vergleich zu neuen MDR-Geräten
- Klinische Bewertung von SaMD KI-basierten Geräten
- Festlegung und Anwendung des Stands der Technik
- Exzellenz in der Literaturrecherche im Rahmen der MDR
- Klinischer Nutzen, Leistungsfähigkeit und Rückverfolgbarkeit der Daten
- PMCF die Erarbeitung von Lebenszyklusdaten
- Fazit
Einleitung
Die EU-Medizinprodukteverordnung (EU MDR) hat die klinische Bewertung im Rahmen der MDR von einem weitgehend dokumentenbasierten Prozess zu einem dynamischen, evidenzbasierten Ansatz gewandelt, der sich über den gesamten Lebenszyklus eines Medizinprodukts erstreckt. Unter der früheren Medizinprodukterichtlinie (MDD) stützten sich viele Hersteller stark auf Literaturzusammenfassungen, allgemeine Äquivalenzargumente und statische klinische Bewertungsberichte (CERs) – MDR-Dokumente, die unter Umständen jahrelang nicht überarbeitet wurden. Die MDR hat diese Situation entscheidend verändert.
Heute muss die klinische Bewertung gemäß der MDR planmäßig, systematisch, transparent und kontinuierlich aktualisiert erfolgen. Sie muss nachweisen, dass die klinische Leistung und Sicherheit eines Produkts im Vergleich zum aktuellen Stand der Technik akzeptabel bleiben und dass der klinische Nutzen durch Daten und nicht durch Annahmen belegt wird. Diese Philosophie kommt in der Übersicht der Europäischen Kommission über die neuen Vorschriften für Medizinprodukte deutlich zum Ausdruck, in der Patientensicherheit, Rückverfolgbarkeit und eine solide Überwachung nach dem Inverkehrbringen als zentrale politische Triebkräfte hervorgehoben werden.
Das Evidenzparadigma der MDR: Von „dem Vorliegen einer CER“ zu „fundierten klinischen Evidenz“
EU MDR trat an die Stelle der MDD, um mehrere seit langem bestehende Probleme anzugehen: sicherheitsrelevante Zwischenfälle im Zusammenhang mit Medizinprodukten, uneinheitliche Nachweisanforderungen und unzureichende Marktüberwachung. Die klinische Bewertung steht im Mittelpunkt dieser Reform. Artikel 61 und Anhang XIV legen eindeutig fest, dass alle Medizinprodukte, für die eine Konformitätsbewertung erforderlich ist, einer klinischen Bewertung unterzogen werden müssen und dass dieser Prozess systematisch, planmäßig und über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg aktualisiert werden muss.
Die MDR verpflichtet Hersteller nachzuweisen, dass:
- Dass das Gerät in der Praxis die beabsichtigte klinische Leistung erbringt.
- Die für das Gerät angegebenen klinischen Vorteile werden durch Daten belegt.
- Dass Risiken so weit wie möglich minimiert werden und im Abwägungsverhältnis zum klinischen Nutzen akzeptabel sind.
- Diese Erkenntnisse sind nach wie vor ausreichend und aktuell, auch wenn sich der wissenschaftliche Kenntnisstand, konkurrierende Technologien und die klinische Praxis weiterentwickeln.
Dies hat zur Folge, dass eine vergleichende Wirksamkeitsbewertung (CER) für Medizinprodukte nicht mehr als statisches technisches Dossier vorgelegt werden kann. Sie ist nun eine Evidenzdarstellung, eingebettet in eine umfassendere klinische und Leistungsbewertung, die den Verwendungszweck des Produkts, den Stand der Technik, klinische Daten, Informationen nach dem Inverkehrbringen sowie Schlussfolgerungen zum Nutzen-Risiko-Verhältnis zu einem schlüssigen Ganzen verbindet.
Die Aufsichtsbehörden und benannten Stellen haben ihre Anforderungen an klinische Bewertungsberichte für Medizinprodukte entsprechend verschärft. Aus Sicht der benannten Stellen stehen bei der Prüfung der MDR-CER methodische Transparenz, die Qualität der Nachweise sowie eine klare Begründung für „ausreichende klinische Nachweise“ für jede Indikation und jede Angabe im Vordergrund.
Regulatorische Absicht: Warum die MDR strengere klinische Nachweise verlangt
Um zu verstehen, wie man stichhaltige CERs erstellt, ist es hilfreich zu wissen, warum die MDR so gestaltet ist, wie sie ist. Die Regulierungsbehörden stellten fest, dass klinische Nachweise im Rahmen der MDD häufig:
- über verschiedene Dokumente verteilt,
- sich zu sehr auf Literatur stützt, ohne diese kritisch zu hinterfragen,
- aufgrund einer schwachen oder nicht nachgewiesenen Gleichwertigkeit mit anderen Produkten oder
- Im Vergleich zu den Fortschritten in Wissenschaft und Technik veraltet.
Eine Reihe von sicherheitsrelevanten Vorfällen im Zusammenhang mit Medizinprodukten führte zu einer verstärkten Überprüfung, woraufhin man erkannte, dass klinische Nachweise für Medizinprodukte denselben Grad an Stringenz erfordern, wie er seit langem für Arzneimittel erwartet wird. Die Verfasser der MDR machten sich daher daran, ein Regelwerk zu schaffen, in dem:
- Die klinische Beurteilung erfolgt kontinuierlich und nicht nur punktuell.
- Das Risiko hängt vom jeweiligen Gerät ab, ist jedoch immer vorhanden.
- Die Aussagen sind konkret und messbar, nicht vage oder marketingorientiert.
- Die Marktüberwachung (PMS) und die klinische Nachbeobachtung nach dem Inverkehrbringen (PMCF) sind in die vergleichende Evidenz (CER) integriert und stellen keine separaten Prozesse dar.
Diese Absicht spiegelt sich in den wichtigsten Leitfäden wider, die von der Medical Device Coordination Group (MDCG) gebilligt wurden. Die Sammlung der von der MDCG gebilligten Leitfäden umfasst den Leitfaden MDCG 2020-5 zur Gleichwertigkeit, den Leitfaden MDCG 2020-6 zu ausreichenden klinischen Nachweisen für bereits auf dem Markt befindliche Produkte sowie den Leitfaden MDCG 2020-13 zur Bewertung der klinischen Bewertung; alle diese Leitfäden setzen die Grundsätze der MDR in konkrete Erwartungen für Hersteller und benannte Stellen um.
Für Hersteller bedeutet dies, dass sich der Fokus von der Frage „Welche Mindestanforderungen an die Evidenz müssen erfüllt sein, um eine Bewertung zu bestehen?“ hin zu der Frage „Wie können wir die überzeugendsten klinischen Belege präsentieren, die die Leistung und Sicherheit des Produkts über einen längeren Zeitraum hinweg genau widerspiegeln?“ verlagern sollte.
Der Lebenszyklus der klinischen Bewertung gemäß der MDR
Die MDR betrachtet die klinische Bewertung als einen Lebenszyklusprozess, der eng mit dem PMS und PMCF verzahnt ist. Während Anhang XIV einzelne Phasen beschreibt, bilden diese Phasen in der Praxis einen Kreislauf, der sich während der gesamten Marktpräsenz des Produkts wiederholt.
Der Lebenszyklus beginnt in der Regel mit einem klinischen Bewertungsplan (CEP), der die Grundlage des CEP-Prozesses bildet. Der CEP legt den beabsichtigten Zweck des Produkts, die zu belegenden klinischen Angaben, die Methodik zur Ermittlung und Bewertung klinischer Daten sowie die Rolle von Literatur und Post-Market-Daten in diesem Prozess fest. Ein gut strukturierter CEP ist keine reine Vorlagenübung; er sollte die Risikoklasse, die technologischen Merkmale, den klinischen Kontext und die Neuartigkeit des Produkts widerspiegeln.
Anschließend führen die Hersteller eine systematische Datenidentifizierung durch. Nach der MDR handelt es sich dabei nicht mehr um eine oberflächliche Literaturrecherche, sondern um einen strukturierten Prozess, der einer systematischen Übersicht in der akademischen Medizin ähnelt. Die in MDCG 2020-13 und den zugehörigen Vorlagen für die klinische Bewertung beschriebenen Anforderungen sehen eine klare Dokumentation der durchsuchten Datenbanken, Suchbegriffe, Zeiträume, Ein- und Ausschlusskriterien sowie der Screening-Verfahren vor.
Die identifizierten Daten, wie klinische Studien, Register, PMS-Aufzeichnungen, PMCF und andere Quellen, werden anschließend einer kritischen Bewertung unterzogen. Dabei bewertet der Hersteller die methodische Qualität, das Verzerrungspotenzial, die Relevanz der Populationen und Endpunkte sowie die Konsistenz der Ergebnisse. Das Ziel besteht nicht darin, zu zeigen, dass alle Daten perfekt sind, sondern zu belegen, dass die Schlussfolgerungen im CER transparent, ausgewogen und evidenzbasiert sind, einschließlich einer Erörterung der Einschränkungen.
Die daraus resultierende Zusammenfassung ist im klinischen Bewertungsbericht dokumentiert, der Folgendes miteinander verknüpft:
- Eine Beschreibung des Produkts und seines vorgesehenen klinischen Verwendungszwecks,
- Eine Analyse des aktuellen Stands der Technik,
- Eine Zusammenfassung und Bewertung klinischer Daten,
- eine Nutzen-Risiko-Abwägung,
- eine Erörterung der Evidenzausreichendheit im Einklang mit den Erwartungen der MDR und der MDCG sowie
- Eine Beschreibung der PMS- und PMCF , mit denen verbleibende Risiken und Unsicherheiten angegangen werden sollen.
Während des gesamten Lebenszyklus des Produkts PMCF PMS und PMCF neue Informationen. Trendanalysen, Vigilanzberichte, Registerdaten, Nutzerfeedback und PMCF tragen dazu bei, zu bestätigen, ob die zum Zeitpunkt der Erstbewertung getroffenen Annahmen weiterhin zutreffen. Die MDR erwartet von den Herstellern, dass sie diese Informationen in die CER und die Risikomanagementakte einfließen lassen, um die Schlussfolgerungen zu aktualisieren und, falls erforderlich, die CEP und PMCF anzupassen. Diese Lebenszyklusperspektive bildet eine natürliche Brücke zum Lebenszyklusmanagement von Medizinprodukten, bei dem die Evidenzplanung und -steuerung in umfassendere Qualitäts- und Regulierungssysteme eingebettet sind.
Aufbau eines fundierten klinischen Befundberichts
Eine klinische Bewertung, die den Anforderungen der MDR und den Erwartungen der benannten Stellen entspricht, ist mehr als nur eine Zusammenstellung von Dokumenten. Es handelt sich um eine logische, fundierte Argumentation, die durch Daten untermauert ist und auf anerkannten Normen und Leitlinien basiert. Whitepaper wie „Klinische Bewertung gemäß EU MDR von BSI bieten hilfreiche Einblicke darin, wie benannte Stellen die Anforderungen in der Praxis auslegen.
Ein aussagekräftiger CER umfasst in der Regel:
1. Gerät und klinischer Hintergrund
Der CER beginnt mit einer ausreichend detaillierten Beschreibung des Produkts, damit ein technisch versierter Leser nachvollziehen kann, wie es funktioniert, wo es eingesetzt wird und für wen es bestimmt ist. In diesem Abschnitt sollten die Wirkungsweise des Produkts, wesentliche Konstruktionsmerkmale, der beabsichtigte anatomische und klinische Verwendungszweck sowie alle relevanten Varianten oder Konfigurationen erläutert werden. Außerdem sollte ein kurzer klinischer Hintergrund gegeben werden, in dem die Erkrankung oder Indikation, bestehende Behandlungswege und die Einordnung des Produkts in diese Behandlungswege erläutert werden.
Dieser Kontext ist wichtig, da die MDR erwartet, dass Aussagen vor dem Hintergrund der klinischen Realität bewertet werden. Ein diagnostisches Produkt, das beispielsweise im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen eingesetzt wird, unterliegt ganz anderen Risiko- und Evidenzbedingungen als ein therapeutisches Implantat, das bei risikoreichen chirurgischen Eingriffen verwendet wird. Diese Nuancen sollten ausdrücklich berücksichtigt und in den nachfolgenden Abschnitten der CER berücksichtigt werden.
2. Klinische Aussagen und Endpunkte
Die MDR schreibt ausdrücklich vor, dass Hersteller nur Angaben machen dürfen, die durch Belege gestützt sind. Dies erfordert einen Wechsel von pauschalen oder marketingorientierten Aussagen („hochwirksam“, „verbessert die Ergebnisse“) hin zu klaren, messbaren Angaben, die sich auf konkrete Endpunkte beziehen, wie beispielsweise die Senkung der Komplikationsraten, die Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit oder spezifische Vorteile hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit.
Jede Angabe zum Medizinprodukt sollte eindeutig einem oder mehreren klinischen Endpunkten zugeordnet werden können, und diese Endpunkte müssen auf die im CER vorgelegten Nachweise zurückgeführt werden können. Die benannten Stellen prüfen diese Übereinstimmung im Rahmen ihrer CER-Prüfung systematisch und beurteilen dabei, ob die klinischen Daten die Angaben in der Kennzeichnung, den Gebrauchsanweisungen und den Werbematerialien tatsächlich untermauern. Die Gewährleistung dieser Rückverfolgbarkeit ist eine grundlegende Anforderung, die in den Leitlinien der benannten Stellen immer wieder hervorgehoben wird, und ein entscheidendes Element eines konformen, vertretbaren CER.
3. Stand der Technik (SOTA)
Der Stand der Technik ist kein rein rhetorisches Konzept, sondern bildet die Grundlage für eine fundierte Risiko-Nutzen-Abwägung. Er definiert den klinischen und technologischen Kontext, indem er wesentliche Fragen beantwortet: Wie sieht eine gute klinische Versorgung bei der jeweiligen Erkrankung oder Indikation aus? Welche Geräte, Verfahren oder Therapien werden derzeit eingesetzt? Und welche bekannten Vorteile, Einschränkungen und Sicherheitsaspekte sind damit verbunden?
Die Erarbeitung des aktuellen Stands der Technik (SOTA) erfordert die Auseinandersetzung mit klinischen Praxisleitlinien, maßgeblichen Stellungnahmen, hochwertigen Übersichtsarbeiten und wichtigen klinischen Studien. Die vom MDCG empfohlenen Leitfäden enthalten Materialien, die sich mit SOTA-Konzepten für die klinische Bewertung und PMCF befassen, während fachliche Leitlinien von medizinischen Fachgesellschaften die klinische Dimension abdecken.
Ein gut ausgearbeiteter Abschnitt zum Stand der Technik legt den Maßstab fest, an dem ein Gerät gemessen werden muss – und belegt, dass dessen Sicherheit und Leistungsfähigkeit mindestens dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und diesem im Idealfall sogar überlegen sind. In unserer speziellen Erörterung zum Stand der Technik in klinischen Studien untersuchen wir, wie dieser Maßstab effektiv definiert und dokumentiert werden kann.
4. Literaturübersicht und Auswertung klinischer Daten
Literaturbasierte Nachweise im Rahmen der MDR müssen mit der für die Wissenschaft üblichen Sorgfalt behandelt werden. MDCG 2020-13 und die dazugehörigen Vorlagen für die klinische Bewertung legen Anforderungen fest, die der Struktur systematischer Übersichtsarbeiten entsprechen, darunter: definierte Suchstrategien, klar begründete Ein- und Ausschlusskriterien sowie eine dokumentierte Bewertung der methodischen Qualität.
In der Praxis bedeutet dies, dass der CER nicht einfach nur Studien auflisten, sondern Folgendes erläutern sollte:
- Warum bestimmte Veröffentlichungen als relevant angesehen wurden,
- Wie sie bewertet wurden,
- Welche Einschränkungen sie haben, und
- Inwiefern sie insgesamt bestimmte klinische Behauptungen stützen oder nicht stützen.
Dieser Ansatz fügt sich nahtlos in strukturierte Protokolle zur Literaturrecherche und in Methoden der Literaturübersicht ein. Datenextraktionstabellen, Bewertungen der Verzerrung und strukturierte Zusammenfassungen tragen dazu bei, die Literatur von einem narrativen Hintergrund in eine quantitative und qualitative Evidenzbasis zu verwandeln.
5. Äquivalenz und Altdaten
Die MDR schränkt die Anwendung des Äquivalenzprinzips erheblich ein. Die Leitlinie MDCG 2020-5 zur klinischen Bewertung und Äquivalenz sowie die Leitlinie MDCG 2020-6 zu ausreichenden klinischen Nachweisen für bereits zugelassene Produkte stellen klar, dass eine Äquivalenz nur dann akzeptabel ist, wenn der Hersteller Zugang zu detaillierten technischen, biologischen und klinischen Daten des anderen Produkts hat.
Für viele Hersteller, insbesondere für diejenigen, die sich auf Geräte von Wettbewerbern als angebliche Äquivalente stützen, besteht dieser Zugang schlichtweg nicht. Infolgedessen werden Äquivalenzargumente, die einst im Rahmen der Medizinprodukte-Richtlinie akzeptabel waren, heute häufig zurückgewiesen. Ältere Produkte müssen stattdessen oft durch verstärkte PMS- und PMCF , neue klinische Daten oder präzisierte Indikationen untermauert werden. Diese Themen werden im Abschnitt zur klinischen Bewertung gemäß Artikel 61 ausführlicher behandelt.
6. Risiko-Nutzen-Analyse
Die Risiko-Nutzen-Analyse im Rahmen der MDR soll datengestützt, explizit und iterativ sein. Sie sollte sich auf die Risikomanagement-Dokumentation (in der Regel in Übereinstimmung mit ISO 14971), klinische Daten, SOTA-Benchmarking sowiePMCF stützen.
Anstatt allgemeine Aussagen wie „die Vorteile überwiegen die Risiken“ zu treffen, wird eine fundierte Analyse erläutern, warum dies der Fall ist, und dabei auf konkrete Ereignisraten, Komplikationsprofile, den Vergleich mit alternativen Therapien sowie Erkenntnisse aus der Erfahrung nach der Markteinführung Bezug nehmen. Sollten bestimmte Risiken weiterhin ungewiss sein, sollte die CER darlegen, wie diese Unsicherheiten PMCF ausgeräumt werden sollen.
7. PMCF PMS und PMCF
Im Rahmen des CER zeigen die Hersteller zudem auf, wie die Marktüberwachung und PMCF die kontinuierliche Erhebung von Daten unterstützen. Vorlagen wie MDCG 2020-7 und 2020-8, die über die MDCG-Leitfadenbibliothek verfügbar sind, sind in diesem Zusammenhang besonders relevant.
An dieser Stelle knüpft die CER direkt an PMCF der MDR in Bezug auf PSUR, PMS und PMCF an und untermauert damit den lebenszyklusorientierten Ansatz, der für ein effektives Lebenszyklusmanagement von Medizinprodukten von zentraler Bedeutung ist.
Ältere Geräte im Vergleich zu neuen MDR-Geräten
Die Anforderungen der MDR unterscheiden sich in wesentlichen Punkten für bereits zugelassene Produkte und neue MDR-Produkte, doch müssen beide letztlich denselben Standard erfüllen: nachweisbare, ausreichende klinische Nachweise.
Für ältere Geräte enthält die MDCG 2020-6 detaillierte Leitlinien dazu, was als „ausreichende“ klinische Evidenz gilt. Darin wird anerkannt, dass sich Hersteller bis zu einem gewissen Grad auf historische Daten stützen können, jedoch wird die Notwendigkeit folgender Punkte betont:
- Eine aktuelle, MDR-konforme klinische Bewertung,
- Aktualisierte SOTA-Bewertung,
- verstärkte PMS- und PMCF Lücken festgestellt wurden, sowie
- Übereinstimmung mit den allgemeinen Sicherheits- und Leistungsanforderungen der MDR.
Für nach der Medizinprodukte-Richtlinie (MDD) zugelassene Altgeräte gilt keine Bestandsschutzregelung; sie müssen an die Anforderungen der Medizinprodukteverordnung (MDR) angepasst werden. Geräte, bei denen früher auf Äquivalenz basierende Ansätze zum Einsatz kamen, sind oft am stärksten betroffen, da die Äquivalenz nun weitaus strengere Nachweiskriterien erfüllen muss.
Bei neuen Produkten, die direkt gemäß der MDR in Verkehr gebracht werden, wird erwartet, dass die klinischen Nachweise stärker auf das jeweilige Produkt zugeschnitten sind. Insbesondere bei Produkten mit höherem Risiko, implantierbaren Produkten oder neuartigen Technologien können klinische Untersuchungen erforderlich sein. Das Studiendesign muss den Standards für wissenschaftliche Qualität und ethisches Verhalten entsprechen, die Grundsätze der ISO 14155 widerspiegeln und mit den Methoden übereinstimmen, die die Aufsichtsbehörden in der modernen klinischen Forschung erwarten.
Diese strategischen Fragen – wie viele klinische Daten benötigt werden, in welcher Form und über welchen Zeitraum hinweg – werden in Artikel 61 „Klinische Bewertung“ ausführlich behandelt, dessen Schwerpunkt auf der Hinlänglichkeit der Nachweise sowohl für bereits zugelassene als auch für neue Medizinprodukte liegt.
Klinische Bewertung von SaMD KI-basierten Geräten
Software als Medizinprodukt (SaMD) und KI-gestützte Systeme stellen besondere Herausforderungen hinsichtlich der Evidenz dar. Algorithmen können häufig aktualisiert werden, ihre Leistungsfähigkeit hängt von der Datenqualität und -repräsentativität ab, und Risiken wie Verzerrungen oder Modelldrift müssen sorgfältig gehandhabt werden.
Das IMDRF-Dokument „Software as a Medical Device (SaMD): Clinical Evaluation“ bietet einen weltweit weit verbreiteten Rahmen für SaMD , und Aufsichtsbehörden wie die FDA diesen teilweise in Leitlinien übernommen, die sich an ähnlichen Grundsätzen orientieren.
Gemäß der MDR müssen SaMD KI-basierte Produkte Folgendes nachweisen:
- Klinische Validität: der Zusammenhang zwischen den Ergebnissen der Software und der angestrebten klinischen Erkrankung oder dem angestrebten klinischen Ergebnis.
- Klinische Leistungsfähigkeit: Nachweis, dass die Software ihren beabsichtigten Zweck in der Zielpopulation und im Einsatzumfeld erfüllt.
- Klinischer Nutzen: messbarer Einfluss auf Entscheidungen, Arbeitsabläufe oder Ergebnisse im Vergleich zum aktuellen Stand der Technik.
Als Nachweis können Studien zur diagnostischen Genauigkeit, Auswerter-Studien, Tests in simulierten Umgebungen, Bewertungen der Benutzerfreundlichkeit und der menschlichen Faktoren sowie PMCF aus der Praxis herangezogen werden. Die Hersteller müssen zudem darlegen, wie Algorithmus-Updates im Laufe der Zeit kontrolliert, validiert und dokumentiert werden und wie Risiken in Bezug auf Cybersicherheit und Interoperabilität gemindert werden.
Diese Themen werden im Rahmen der klinischen Bewertung von SaMD KI-basierten Produkten eingehender untersucht, wobei der Schwerpunkt auf der Umsetzung der MDR-Grundsätze in algorithmenspezifische Strategien liegt.
Festlegung und Anwendung des Stands der Technik
Der Begriff „Stand der Technik“ wird oft fälschlicherweise als rein beschreibender Hintergrund verstanden, spielt jedoch im MDR eine zentrale Rolle bei der Bewertung. Er definiert, was derzeit innerhalb einer bestimmten Indikation als akzeptable klinische Leistung und als akzeptables Risiko angesehen wird.
Zur Ermittlung des aktuellen Stands der Technik (SOTA) gehören in der Regel folgende Schritte:
- Klinische Leitlinien von Fachgesellschaften,
- Wegweisende klinische Studien und hochwertige Metaanalysen,
- maßgebliche Berichte zur Bewertung von Gesundheitstechnologien sowie
- Behördliche Bewertungen und Sicherheitsmitteilungen der zuständigen Behörden.
Ressourcen wie die Leitfäden der MDCG und kuratierte Zusammenstellungen wie die Ressourcen zur Medizinprodukteverordnung (MDR) helfen dabei, regulatorische Erwartungen und harmonisierte Normen in einen Kontext zu setzen, was wiederum Einfluss darauf hat, was die Regulierungsbehörden als „State of the Art“ (SOTA) betrachten.
Durch eine klare Beschreibung des aktuellen Stands der Technik (SOTA) kann ein CER:
- Leistung und Sicherheit von Geräten vergleichen,
- die Schlussfolgerungen zum Nutzen-Risiko-Verhältnis begründen,
- Aufzeigen, in welchen Bereichen das Gerät innovativ ist oder wo noch Wissenslücken bestehen, und
- Das Design PMCF sollte darauf ausgerichtet sein, offene Fragen zu klären.
In unserer gezielten Erörterung des aktuellen Stands der Forschung zu CERs untersuchen wir, wie dieser Abschnitt so gestaltet werden kann, dass er die Gesamtargumentation des CERs stützt, anstatt sie zu schwächen.
Exzellenz in der Literaturrecherche im Rahmen der MDR
Die Qualität der Literaturrecherche ist oft ausschlaggebend dafür, ob eine klinische Bewertung (CER) bereits bei der ersten Prüfung akzeptiert oder wegen schwerwiegender Mängel zurückverwiesen wird. Aufsichtsbehörden und benannte Stellen erwarten mittlerweile, dass die Methodik der Literaturrecherche hinsichtlich Transparenz und Stringenz den akademischen systematischen Übersichtsarbeiten entspricht.
Das bedeutet, dass man mit klar formulierten Fragen beginnt, die häufig auf dem PICO-Modell basieren (Population, Intervention, Comparator, Outcome), und anschließend Suchstrategien entwickelt, mit denen sich die relevante Evidenzbasis zuverlässig erfassen lässt. Die von der MDCG gebilligten Leitfäden, insbesondere MDCG 2020-13, geben Aufschluss über die Erwartungen an die klinische Bewertung.
Ein gut ausgearbeiteter Abschnitt zur Literaturübersicht zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass:
- Erläutern Sie die verwendeten Datenbanken und Quellen,
- Beschreiben Sie die Suchbegriffe und Zeiträume,
- Stellen Sie einen allgemeinen Screening-Ablauf dar (ähnlich den PRISMA-Diagrammen in wissenschaftlichen Publikationen),
- Begründen Sie, warum bestimmte Datensätze vorrangig behandelt wurden, und
- Erläutern Sie, wie die Qualität der Studien bewertet und in die Evidenzgewichtung einbezogen wurde.
Genau hier erweisen sich solide Protokolle für die Literaturrecherche und bewährte Verfahren für die Überprüfung als unschätzbar wertvoll. Sie tragen nicht nur zu besseren vergleichenden Evidenzstudien bei, sondern schaffen auch einen wiederverwendbaren Rahmen, der auf verschiedene Produkte angewendet und effizient aktualisiert werden kann.
Klinischer Nutzen, Leistungsfähigkeit und Rückverfolgbarkeit der Daten
Im Rahmen der MDR ist der Begriff „ausreichende klinische Evidenz“ eng mit dem Konzept der Rückverfolgbarkeit verbunden. Jede Angabe muss auf die Daten zurückgeführt werden können, die sie stützen, und jede einzelne Datenangabe sollte über das CER bis zu ihrer Quelle zurückverfolgt werden können.
Ein gut strukturierter CER bedient sich häufig Tabellen, Querverweisen und beschreibenden Erläuterungen, um darzustellen, wie:
- Aussagen zur Wirksamkeit oder Leistung beziehen sich auf bestimmte Endpunkte,
- Endpunkte werden in klinischen Studien oder anhand von Daten aus der Praxis gemessen, und
- Diese Messwerte entsprechen den aktuellen Erwartungen.
Diese transparente Zuordnung stärkt die Glaubwürdigkeit des klinischen Bewertungsberichts für Medizinprodukte und stellt sicher, dass das Evidenzpaket den Anforderungen der MDR gerecht wird.
Die Leitlinie MDCG 2020-6 zur ausreichenden klinischen Evidenz enthält konkrete Beispiele dafür, wie die Evidenzausreichendheit bei älteren Produkten beurteilt werden könnte, doch der konzeptionelle Rahmen gilt in einem weiteren Sinne: Die Evidenz muss relevant, fundiert und schlüssig sein.
Sind die Evidenzdaten unvollständig – beispielsweise weil klinische Studien klein angelegt, beobachtender Natur oder auf bestimmte Subpopulationen beschränkt waren –, sollte die CER diese Einschränkungen anerkennen und darlegen, wie sie PMCF oder die Erhebung von Daten nach dem Inverkehrbringen gemildert werden können. Dies bildet die Brücke zu PMCF der MDR in Bezug auf PSUR, PMS und PMCF , wonach eine kontinuierliche Evidenzentwicklung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg geplant und durchgeführt wird.
PMCF die Erarbeitung von Lebenszyklusdaten
PMCF Maßnahmen PMCF dienen dazu, im Rahmen der MDR sicherzustellen, dass die Produkte auch nach ihrer breiten Einführung in der Praxis weiterhin die erwartete Leistung erbringen. PMCF vorgeschrieben, es sei denn, es wird durch eine fundierte Begründung nachgewiesen, dass dies nicht erforderlich ist – eine hohe Hürde für die meisten Produkte, insbesondere in den Risikoklassen „mittel“ und „hoch“.
PMCF viele Formen annehmen, z. B. prospektive Studien, die Teilnahme an Registern, gezielte Nachbeobachtung bestimmter Patientengruppen, Leistungsanalysen unter realen Bedingungen oder strukturierte Nutzerbefragungen. Allen Formen ist gemeinsam, dass PMCF zielgerichtet und verhältnismäßig sein PMCF und darauf ausgelegt sein soll, spezifische Restrisiken, Unsicherheiten oder Evidenzlücken anzugehen, die in der CER oder der Risikomanagementdokumentation identifiziert wurden.
Die MDCG-Dokumente 2020-7 und 2020-8 enthalten Vorlagen für PMCF und Bewertungsberichte, die auf der Seite „MDCG-Leitlinien und Vorlagen“ abgerufen werden können.
Die durch PMCF gewonnenen Informationen PMCF ein in:
- Regelmäßige Sicherheitsberichte (PSURs),
- Neubewertungen des Nutzen-Risiko-Verhältnisses,
- ggf. Aktualisierung der Kennzeichnung und der Gebrauchsanweisung sowie
- Regelmäßige Überarbeitungen des CER.
Dieser kontinuierliche Kreislauf bildet den Kern der Lebenszyklus-Vision der MDR und ist von zentraler Bedeutung für die Konzepte, die im Zusammenhang mit dem Lebenszyklusmanagement von Medizinprodukten diskutiert werden.
Fazit
Der Übergang zur EU MDR die Erwartungen an die klinische Bewertung im Rahmen der MDR sowie an die Nachweise, die Hersteller zur Untermauerung ihrer Produkte erbringen müssen, grundlegend verändert. Was früher als periodische Dokumentationsaufgabe betrachtet werden konnte, ist heute ein kontinuierlicher, analytisch gestützter Prozess, der Genauigkeit, Transparenz und wissenschaftliche Disziplin erfordert. Eine fundierte klinische Bewertung (CER) muss nicht nur die vor dem Inverkehrbringen erbrachten Nachweise für das Produkt widerspiegeln, sondern auch dessen Leistung in der Praxis, das sich entwickelnde Risikoprofil und die Übereinstimmung mit dem Stand der Technik.
Für Unternehmen, die sich in diesem Umfeld bewegen, hängt der Erfolg davon ab, dass sie einen Ansatz verfolgen, der klinische Evidenz als ein dynamisches System betrachtet. Dies bedeutet, strukturierte Methoden für die Literaturrecherche, die kritische Bewertung, die Nutzen-Risiko-Abwägung und das lebenszyklusübergreifende Evidenzmanagement zu etablieren, die weit über die regulatorischen Mindestanforderungen hinausgehen. Es erfordert eine gezielte Integration von PMS- und PMCF , eine klare Formulierung klinischer Aussagen, Offenheit gegenüber Unsicherheiten sowie proaktive Strategien zur Aufrechterhaltung einer ausreichenden Evidenzbasis angesichts der Weiterentwicklung von Technologien, klinischen Praktiken und regulatorischen Erwartungen.
Letztendlich ist das Rahmenwerk für klinische Nachweise der MDR nicht nur eine Compliance-Anforderung – es ist eine Chance. Hersteller, die sich dieses Paradigmas bedienen, gewinnen einen tieferen Einblick in die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte, verbessern die Patientensicherheit und stärken das Vertrauen bei Aufsichtsbehörden und Klinikern. Zudem schaffen sie widerstandsfähigere Produktportfolios, gestützt durch Evidenz-Ökosysteme, die sich an künftige wissenschaftliche, technologische und regulatorische Veränderungen anpassen können.
In einem Gesundheitswesen, das zunehmend von Daten, Transparenz und Rechenschaftspflicht geprägt ist, ist eine fundierte klinische Bewertung sowohl eine gesetzliche Notwendigkeit als auch ein strategischer Vorteil. Durch Investitionen in solide Methoden zur Erhebung klinischer Evidenz und in auf den Produktlebenszyklus abgestimmte Prozesse können Hersteller sicherstellen, dass ihre Produkte nicht nur die heutigen Anforderungen der MDR erfüllen, sondern auch in den kommenden Jahren sicher, wirksam und relevant bleiben.
Wie Freyr helfen kann
Die weltweit tätigen Regulierungsexperten von Freyr unterstützen Hersteller bei der Erstellung von MDR-konformen klinischen Bewertungsberichten (CERs), Rahmenwerken für Literaturrecherchen, klinischen Bewertungsplänen (CEPs) und lebenszyklusbasierten Systemen für klinische Nachweise, die der Prüfung durch benannte Stellen standhalten. Darüber hinaus hilft Freyr Herstellern beim Aufbau von EU-IVDR-konformen Leistungsbewertungspaketen, die einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten und auch dann glaubwürdig bleiben, wenn das IVD-Produkt in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, klinischen Umgebungen und sich weiterentwickelnden Versorgungsstandards eingesetzt wird.
Wenn Sie Unterstützung benötigen, um Ihren Ansatz zur klinischen Bewertung zu optimieren, Evidenzlücken zu schließen oder MDR-konforme CER-Einreichungen sicherzustellen, wenden Sie sich an unsere Experten. Unser Team begleitet Sie durch alle Phasen des Lebenszyklus klinischer Evidenz – von der Planung und Datenauswertung bis hin zur soliden Dokumentation und der Generierung von Post-Market-Evidenz.

Über den Autor
Dr. Radhika Ramachandran leitet das Global Regulatory Medical Writing Center of Excellence (CoE) bei Freyr Inc. und erstellt Zulassungsunterlagen sowie Strategien für globale Regulierungsrahmen im Bereich Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika (IVD). Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen Medizintechnik, klinische Forschung und Zulassungsstrategie ist sie auf die Entwicklung und Überprüfung von wirkungsvollen Zulassungsdokumenten spezialisiert, die den globalen Standards entsprechen, darunter EU MDR die EU-IVDR. Sie bietet MedTech-Unternehmen strategische Beratung und maßgeschneiderte Lösungen für das Verfassen von Zulassungsdokumenten und unterstützt sie bei Zulassungsanträgen und der Dokumentation des Produktlebenszyklus. Dr. Radhika hat einen Doktortitel in Biotechnologie und ist zertifizierte Medical Writerin, die an über 1.500 Zulassungsdokumenten mitgewirkt hat. Ihr aktueller Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von künstlicher Intelligenz und digitaler Gesundheit zur Transformation des regulatorischen Medical Writing.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Die klinische Bewertung gemäß EU MDR eine strukturierte, evidenzbasierte Beurteilung klinischer Daten, die belegt, dass ein Medizinprodukt sicher ist, die beabsichtigte Leistung erbringt und während seines gesamten Lebenszyklus die allgemeinen Sicherheits- und Leistungsanforderungen (GSPRs) erfüllt. Sie gewährleistet die Patientensicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften durch die systematische Erhebung, Bewertung und Zusammenführung klinischer Nachweise, einschließlich Daten aus der Zeit nach dem Inverkehrbringen.
Ein klinischer Bewertungsbericht (CER) muss regelmäßig aktualisiert werden, um neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Ergebnissen der Marktüberwachung, dem sich weiterentwickelnden Stand der Technik und Veränderungen in der klinischen Praxis Rechnung zu tragen. Aktualisierungen sind unerlässlich, sobald neue Daten das Nutzen-Risiko-Profil oder den Verwendungszweck beeinflussen, um sicherzustellen, dass die klinischen Nachweise aktuell bleiben und gegenüber den Aufsichtsbehörden und benannten Stellen vertretbar sind.
Zwar stellt die veröffentlichte Fachliteratur eine wichtige Datenquelle dar, doch muss die klinische Bewertung gemäß der MDR auch gerätespezifische Nachweise und eine kritische Bewertung umfassen. Die Fachliteratur allein kann insbesondere bei Produkten mit höherem Risiko oder bei neuartigen Technologien unzureichend sein, und klinische Untersuchungen können erforderlich werden, wenn die Fachliteratur die Angaben zu Sicherheit und Leistung nicht ausreichend untermauert.
Die klinische Bewertung ist ein fortlaufender Prozess der Erfassung, Analyse und Auswertung aller verfügbaren klinischen Daten, um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit gemäß der MDR nachzuweisen. Eine klinische Untersuchung hingegen ist eine spezifische Studie, die durchgeführt wird, um neue klinische Daten zu generieren. Klinische Untersuchungen können erforderlich sein, wenn die vorhandenen Daten für eine behördliche Zulassung nicht ausreichen.