Die Bedeutung systematischer Literaturrecherchen: Verbesserung der klinischen Bewertungsberichte für Medizinprodukte
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Einleitung: Von der Einhaltung der Vorschriften zum Vertrauen in die klinische Bewertung

Im Rahmen der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR 2017/745) hat sich die Landschaft der klinischen Evidenzgewinnung grundlegend gewandelt. Was einst eine Routineaufgabe war – die Durchführung einer Literaturrecherche zur Untermauerung der Produktdokumentation – hat sich zu einem Eckpfeiler der Regulierung entwickelt. Heute bildet die systematische Literaturrecherche (SLR) das Rückgrat jedes klinischen Bewertungsberichts (CER) und sorgt für wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, Compliance und Marktreife.

Eine systematische Literaturrecherche ist mehr als nur eine Anforderung zur Einhaltung von Vorschriften; sie ist ein strukturierter, transparenter und reproduzierbarer Prozess, der sicherstellt, dass jede klinische Evidenzbewertung auf einer evidenzbasierten klinischen Bewertung beruht. Durch die Anwendung vordefinierter Suchstrategien, Methoden zur kritischen Bewertung und einer strukturierten Datensynthese können Fachleute für regulatorisches Medical Writing klinische Berichte erstellen, die nicht nur den Anforderungen der MDR entsprechen, sondern auch vertretbar und weltweit glaubwürdig sind.

In einem zunehmend evidenzbasierten MedTech-Ökosystem verwandelt eine gut durchgeführte systematische Literaturrecherche die vergleichende Wirksamkeitsstudie von einer regulatorischen Formalität in einen strategischen Vorteil für den klinischen und kommerziellen Erfolg.

Warum systematische Literaturübersichten bei der klinischen Bewertung von MDR wichtig sind

Eine systematische Literaturrecherche stellt den höchsten Standard in der Methodik der Evidenzgewinnung dar. Wenn sie mit wissenschaftlicher Sorgfalt konzipiert ist, unterstützt eine SLR Hersteller dabei, Folgendes festzustellen:

  • Evidenz zur klinischen Wirksamkeit und Sicherheit, die die Angaben zum Produkt untermauert
  • Der aktuelle Stand der Technik (SOTA) als Maßstab für die derzeitige klinische Praxis
  • Gegebenenfalls Äquivalenz zu Prädikaten oder ähnlichen Konstrukten
  • Kontinuierliche klinische Evidenz zur Untermauerung der Marktüberwachung (PMS) und der klinischen Nachbeobachtung nach dem Inverkehrbringen (PMCF)

Durch die Anwendung einer strukturierten, nachprüfbaren SLR-Methodik können Hersteller klinische Vorteile belegen, regulatorische Risiken mindern und die kontinuierliche Einhaltung der MDR über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg nachweisen, wobei sie sich an den Anforderungen der MDR hinsichtlich der klinischen Bewertung und der klinischen Nachweise orientieren.

Ein schrittweiser Leitfaden zur Durchführung systematischer Literaturrecherchen

Die Durchführung einer systematischen Literaturrecherche für Medizinprodukte erfordert eine sorgfältige Planung und methodische Umsetzung. Die Einhaltung der in MEDDEV 2.7/1 Rev. 4 und Anhang XIV der MDR festgelegten Standards gewährleistet Konsistenz, Transparenz und regulatorische Zuverlässigkeit.

1. Festlegung von Zielsetzung und Umfang

Jede systematische Literaturrecherche beginnt mit einer klar definierten Forschungsfrage, die auf den Verwendungszweck, die Indikationen und die klinischen Aussagen des Produkts abgestimmt ist. Das PICO-Modell (Population, Intervention, Comparator, Outcome) wird häufig zur Strukturierung der Fragestellung verwendet, um deren Fokussierung und Relevanz sicherzustellen.

Ein klar definiertes Ziel bildet die Grundlage für eine reproduzierbare, evidenzbasierte Überprüfung, die einer behördlichen Überprüfung standhält.

2. Entwicklung einer soliden Strategie für die Literaturrecherche

Eine effektive Suchstrategie verbindet wissenschaftliche Präzision mit Kenntnis der regulatorischen Rahmenbedingungen. Umfassende Recherchen sollten Datenbanken wie PubMed, Embase, Cochrane und Scopus unter Verwendung vordefinierter Schlüsselwörter, boolescher Operatoren und MeSH-Begriffe abdecken.

Alle Entscheidungen, einschließlich der Auswahl der Datenbank, der Zeitfilter sowie der Ein- und Ausschlusskriterien, müssen dokumentiert werden, um Transparenz und Reproduzierbarkeit zu gewährleisten, die Prüfungsanforderungen der benannten Stellen zu erfüllen und sich an strukturierte Ansätze zur klinischen Bewertung und Leistungsbewertung anzupassen.

3. Screening und Studienauswahl

Das Screening erfolgt in zwei Schritten: zunächst die Prüfung von Titel und Zusammenfassung, gefolgt von der Bewertung des Volltextes. Um Verzerrungen zu minimieren, führen in der Regel zwei unabhängige Gutachter das Screening anhand vordefinierter Kriterien durch.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Studien, die die Evidenzbasis für die CER bilden, einheitlich, objektiv und überprüfbar sind.

4. Datenextraktion und Qualitätsbewertung

Die in Frage kommenden Studien werden anhand standardisierter Vorlagen analysiert, in denen Studiendesign, Population, Intervention, Endpunkte und Vergleichsgruppen erfasst werden. Jede Studie wird unter Verwendung validierter Rahmenwerke kritisch bewertet, wie zum Beispiel:

RahmenwerkHauptverwendungszweckFokusGilt für
MEDDEV 2.7/1 Rev. 4Einhaltung der EU-VorschriftenMethodische Qualität, Verzerrung, RelevanzAlle gerätebezogenen Beweise
OCEBM (Oxford Centre for Evidence-Based Medicine)EvidenzhierarchieStudienaufbau (1–5)Alle Maßnahmen
KLASSEBeweissicherheitGesamtbeweiskraftLeitlinien & CER-Zusammenfassungen
CONSORTQualität der BerichterstattungTransparenz bei der Berichterstattung über randomisierte kontrollierte StudienAusschließlich randomisierte Studien

Dieser strukturierte Ansatz gewährleistet eine fundierte, zuverlässige und auf die behördlichen Vorgaben abgestimmte Evidenzsynthese, die den Anforderungen an klinische Nachweise gemäß der MDR entspricht.

Integration und Interpretation klinischer Evidenz

Bei einer systematischen Literaturrecherche geht es nicht nur darum, Daten zu sammeln, sondern darum, Erkenntnisse aus den Daten zu gewinnen. Die ausgewählten Studien werden zusammengefasst, um die klinische Sicherheit, die Wirksamkeit und den aktuellen Stand der Technik zu ermitteln.

Vergleichende Analysen tragen dazu bei, die Gleichwertigkeit nachzuweisen, klinische Vorteile hervorzuheben und als Grundlage für Nutzen-Risiko-Bewertungen zu dienen. Durch diese Integration werden Daten zu einer schlüssigen, evidenzbasierten Darstellung, die die wissenschaftliche und regulatorische Glaubwürdigkeit der vergleichenden Evidenzbewertung (CER) stärkt.

Aufbau eines kontinuierlichen, reproduzierbaren Evidenzrahmens

Die klinische Bewertung im Rahmen der MDR ist ein fortlaufender Prozess. Die SLR bietet einen lebenszyklusorientierten Rahmen für die Erfassung, Bewertung und Aktualisierung klinischer Nachweise.

Wenn es in ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) eingebettet ist, gewährleistet es:

  • Regelmäßige Aktualisierungen der klinischen Erkenntnisse
  • Konsistenz zwischen der Dokumentation vor und nach der Markteinführung
  • Abstimmung mit PMCF Risikomanagementaktivitäten

Dieser Ansatz ermöglicht es Herstellern, eine auditfähige, sich weiterentwickelnde Evidenzbasis zu pflegen, die auf lebenszyklusorientierte Ansätze zur klinischen Bewertung und Leistungsbewertung abgestimmt ist.

Bewältigung der Herausforderungen bei der Evidenzführung in der Medizintechnik

Die Bewertung von Medizinprodukten birgt besondere Herausforderungen, darunter die begrenzte Anzahl randomisierter kontrollierter Studien und die Abhängigkeit von Beobachtungsdaten oder Daten aus der Praxis.

Um diesem Problem zu begegnen, müssen SLR-Methoden flexibel bleiben und gleichzeitig wissenschaftliche Genauigkeit gewährleisten. Techniken wie die Bewertung des Verzerrungspotenzials (Cochrane RoB, ROBINS-I), Sensitivitätsanalysen und Metaregression helfen dabei, die Variabilität der Daten zu bewältigen.

Die Einbeziehung von Real-World-Evidence, Registerdaten und Erkenntnissen aus der Zeit nach der Markteinführung trägt, sofern sie kritisch ausgewertet wird, zu einem besseren Verständnis der Leistungsfähigkeit von Medizinprodukten in der klinischen Praxis bei.

Gewährleistung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften durch strenge SLR-Verfahren

Benannte Stellen stellen häufig fest, dass Mängel hinsichtlich der methodischen Transparenz und Reproduzierbarkeit zu den wesentlichen Schwachstellen in den CERs zählen. Diese Risiken lassen sich durch folgende Maßnahmen mindern:

  • Klar definierte Forschungsziele, die mit Anhang XIV der MDR im Einklang stehen
  • Umfassend dokumentierte Suchstrategien und Auswahlkriterien
  • Validierte Methoden zur Datenextraktion und -auswertung
  • Lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Literaturrecherche bis zu den Schlussfolgerungen der CER

Ein gut strukturiertes SLR spiegelt das Engagement einer Organisation für Qualität, Transparenz und klinische Exzellenz wider.

Fazit: Verbesserung der klinischen Bewertung durch systematische Stringenz

Im era MDR ist die klinische Bewertung nicht mehr nur eine statische Dokumentationsaufgabe, sondern ein dynamischer, evidenzbasierter Prozess, der die behördliche Zulassung und den Markterfolg untermauert. Eine gut durchgeführte systematische Literaturrecherche stellt sicher, dass klinische Bewertungsberichte nicht nur konform, sondern auch wissenschaftlich fundiert, transparent und vertretbar sind.

Durch die Einbindung strukturierter Methoden, Rahmenwerke zur kritischen Bewertung und eines Lebenszyklus-Ansatzes in den SLR-Prozess können Hersteller ihre klinischen Darstellungen untermauern, regulatorische Risiken minimieren und nachweisen, dass sie sich kontinuierlich an die sich weiterentwickelnde Evidenz anpassen. Letztendlich macht die SLR die klinische Bewertung zu einer strategischen Kompetenz, die Innovationen fördert, das Vertrauen der Regulierungsbehörden stärkt und den langfristigen Marktzugang in einer zunehmend datengesteuerten Medizintechnik-Landschaft sichert.

Wie Freyr systematische Literaturrecherchen unterstützt

Eine wirksame klinische Bewertung gemäß der MDR erfordert einen methodischen, auditfähigen Ansatz zur Erhebung und Synthese von Evidenz. Freyr unterstützt Hersteller von Medizinprodukten bei der Konzeption und Durchführung systematischer Literaturrecherchen, die den Anforderungen von Anhang XIV der MDR und MEDDEV 2.7/1 Rev. 4 entsprechen, und gewährleistet dabei Transparenz, Reproduzierbarkeit und wissenschaftliche Stringenz.

Die Unterstützung umfasst die Protokollentwicklung, die Konzeption von Strategien zur Literaturrecherche, ein zweistufiges Screening, die Datenextraktion sowie die kritische Bewertung unter Verwendung von Rahmenwerken wie GRADE und OCEBM. Darüber hinaus unterstützt Freyr die nahtlose Integration der Ergebnisse systematischer Literaturrecherchen in klinische Bewertungsberichte, die kontinuierliche Aktualisierung der Evidenz für PMCF postmarktbezogene PMCF sowie die Abstimmung mit Aktivitäten im Bereich Risikomanagement und Marktüberwachung.

Wenn Sie Unterstützung bei MDR-konformen SLRs, der CER-Entwicklung oder Strategien zur klinischen Bewertung während des Produktlebenszyklus benötigen, wenden Sie sich an einen Freyr-Experten, um Ihre regulatorischen Herausforderungen zu bewältigen.

Über den Autor

Dr. Radhika Ramachandran leitet das Global Regulatory Medical Writing Center of Excellence (CoE) bei Freyr Inc. und erstellt Zulassungsunterlagen sowie Strategien für globale Regulierungsrahmen im Bereich Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika (IVD). Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in den Bereichen Medizintechnik, klinische Forschung und Zulassungsstrategie ist sie auf die Entwicklung und Überprüfung von wirkungsvollen Zulassungsdokumenten spezialisiert, die den globalen Standards entsprechen, darunter EU MDR die EU-IVDR. Sie bietet MedTech-Unternehmen strategische Beratung und maßgeschneiderte Lösungen für das Verfassen von Zulassungsdokumenten und unterstützt sie bei Zulassungsanträgen und der Dokumentation des Produktlebenszyklus. Dr. Radhika hat einen Doktortitel in Biotechnologie und ist zertifizierte Medical Writerin, die an über 1.500 Zulassungsdokumenten mitgewirkt hat. Ihr aktueller Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von künstlicher Intelligenz und digitaler Gesundheit zur Transformation des regulatorischen Medical Writing.

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