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Eine Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung (Front-of-Pack, FOP) ist eine vereinfachte Nährwertübersicht, die auf der Vorderseite von Lebensmittel- und Getränkeverpackungen angebracht ist. Sie soll Verbrauchern helfen, sofort fundierte und gesündere Entscheidungen bei der Auswahl von Lebensmitteln zu treffen, ohne die vollständige Nährwerttabelle analysieren zu müssen, die sich normalerweise auf der Rückseite oder an der Seite der Verpackung befindet.

FOP-Kennzeichnungen sind in der Regel farblich gekennzeichnet, symbolbasiert oder enthalten numerische Bewertungen und sollen die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit von Nährwertangaben verbessern, insbesondere für vielbeschäftigte Verbraucher. Diese Kennzeichnungen heben wichtige Nährstoffe wie Energie (Kalorien), gesättigte Fettsäuren, Zucker und Natrium hervor, die in engem Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Adipositas, Herzerkrankungen und Diabetes stehen.

Überblick über die Rechtsvorschriften

Regulierungsbehörden weltweit schreiben die FOP-Nährwertkennzeichnung zunehmend vor oder empfehlen sie, um die öffentliche Gesundheit zu fördern. Obwohl es keine weltweite Standardisierung gibt, haben mehrere internationale und nationale Gremien Richtlinien oder Systeme festgelegt:

  • Der Codex Alimentarius erkennt die Kennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung (Front-of-Pack, FOP) als Ergänzung zur herkömmlichen Nährwertkennzeichnung an; er definiert jedoch keine spezifischen Grundsätze für Systeme zur Kennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung (Front-of-Pack Label, FOPL) und legt auch keine entsprechenden Leitlinien fest.
  • In der Europäischen Union (EU) sind FOP-Kennzeichnungen wie Nutri-Score und das Ampelsystem freiwillig, und es wird derzeit über eine Harmonisierung diskutiert.
  • Länder wie Chile und Mexiko haben verbindliche FOP-Programme eingeführt, während das Vereinigte Königreich ein freiwilliges, von der Regierung unterstütztes Ampelsystem fördert, um den steigenden Adipositasraten entgegenzuwirken
  • In Indien prüft die indische Behörde für Lebensmittelsicherheit und -standards (FSSAI) im Rahmen der Initiative „Eat Right India“ die Vorschriften zur FOP-Kennzeichnung, doch die Umsetzung der Regelung steht noch aus.

Arten von Etiketten auf der Vorderseite der Verpackung

FOP-Etiketten lassen sich anhand ihres Formats und der Auslegungshinweise in verschiedene Typen einteilen:

  1. Informationskennzeichnungen – z. B. Nutri-Score, Health Star Rating (HSR)
  2. Informationsangaben – z . B. empfohlene Tagesmengen (GDA), die in der EU mittlerweile allgemein als Referenzmengen (RI) bezeichnet werden
  3. Warnschilder – z. B. schwarze Stoppschilder, wie sie in lateinamerikanischen Ländern verwendet werden
  4. Hybridmodelle – Kombination von interpretativen und numerischen Daten

Jedes System ist auf unterschiedliche politische Ziele und Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten, verfolgt jedoch dasselbe Kernziel: das Verständnis der Verbraucher für Ernährung am Point of Sale zu verbessern.

Warum ist die Nährwertkennzeichnung bei FOP wichtig?

Die Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung ist ein strategisches Instrument der Gesundheits- und Ernährungspolitik. Die Vereinfachung der Nährwertangaben trägt dazu bei, kognitive Barrieren abzubauen und gesündere Ernährungsgewohnheiten zu fördern. Für Hersteller sind FOP-Kennzeichnungen zudem ein Anreiz, ihre Produkte so umzugestalten, dass sie gesündere Nährwertprofile aufweisen.

Im Wesentlichen schlagen FOP-Nährwertkennzeichnungen eine Brücke zwischen komplexen Nährwertangaben und dem konkreten Handeln der Verbraucher.