Das chilenische Gesundheitsministerium hat offiziell vorgeschlagen, drei pflanzliche Samenöle gemäß den geltenden Gesundheitsvorschriften des Landes als neuartige pflanzliche Speiseöle zuzulassen. Der Vorschlag, der sich auf die aktuellen Rahmenbedingungen für Lebensmittelsicherheit und einschlägige wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, umfasst Öle, die aus den Samen von Shorea robusta (Salbaum), Garcinia indica (Kokum) und Mangifera indica (Mango) gewonnen werden. Es wurde eine 60-tägige öffentliche Konsultationsphase eröffnet, in der Interessengruppen und die breite Öffentlichkeit aufgefordert sind, Stellungnahmen einzureichen, bevor die Verordnung endgültig verabschiedet wird.
Rechtliche Grundlage und Überblick über den Vorschlag
Der Vorschlag des Gesundheitsministeriums stützt sich auf die geltenden chilenischen Hygienevorschriften für pflanzliche Speiseöle und -fette. Auf der Grundlage einer Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Sicherheit und zum Nährwertprofil dieser drei aus Samen gewonnenen Öle strebt das Ministerium deren formelle Anerkennung im Rahmen der nationalen Lebensmittelvorschriften an. Neben der Genehmigung ihrer Verwendung legt der Vorschlag spezifische physikalisch-chemische Parameter und Anforderungen an die Fettsäurezusammensetzung fest, die jedes Öl erfüllen muss, um in Chile als pflanzliches Speiseöl verwendet und vermarktet werden zu dürfen.
Physikalisch-chemische Parameter
Jedes der drei vorgeschlagenen Öle zeichnet sich durch definierte physikalisch-chemische Eigenschaften aus, die als Maßstäbe für Qualität und Identität dienen. Für Shorea robusta-Samenöl sind die relative Dichte bei 40 °C auf 0,88 ± 0,1, der Brechungsindex auf 1,44–1,46, die Iodzahl auf 31–45 (Wijs), die Verseifungszahl auf 180–224,2 mg und der Schmelzpunkt auf 30–37 °C festgelegt. Für Garcinia-indica-Samenöl liegt die relative Dichte zwischen 0,898 und 0,914, mit einem Brechungsindex von 1,457–1,575, einer Jodzahl von 30–50, einer Verseifungszahl von 185–195 mg und einem Schmelzpunkt von 34–43 °C. Für Mangifera-indica-Samenöl liegt die relative Dichte zwischen 0,87 und 0,965, der Brechungsindex zwischen 1,343 und 1,559, der Jodwert zwischen 30 und 58,3, der Verseifungswert zwischen 151 und 202,5 mg und der Schmelzpunkt zwischen 23,5 und 47 °C. Diese Parameter dienen als Identitäts- und Reinheitsstandards, um die Produktkonsistenz und die regulatorische Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.
Anforderungen an die Fettsäurezusammensetzung
Der Vorschlag legt zudem zulässige Bereiche für die Fettsäuremethylester-Zusammensetzung der einzelnen Öle fest, die deren spezifische Lipidprofile widerspiegeln. Shorea-robusta-Samenöl zeichnet sich vorwiegend durch einen hohen Gehalt an Stearinsäure (34,7–60,0 %) und Ölsäure (33,0–50,0 %) aus, mit geringeren Anteilen an Palmitinsäure (0,2–8,3 %), Linolsäure (0,0–8,0 %), Arachinsäure (0,0–12,3 %), Heptadecansäure (0,0–8,3 %) sowie Spuren von Palmitoleinsäure (weniger als 0,23 %), Linolensäure (weniger als 1,3 %) und Eicosensäure (weniger als 0,5 %).
Garcinia-indica-Samenöl ist ebenfalls reich an Stearinsäure (49,0–67,4 %) und Ölsäure (27,0–49,0 %), wobei Palmitinsäure zu 1,4–8,0 %, Heptadecansäure zu 0,0–5,0 % und geringe Mengen an Myristinsäure (weniger als 0,4 %), Linolsäure (weniger als 1,7 %) und Arachinsäure (weniger als 0,5 %).
Mangifera-indica-Samenöl weist ein breiteres Zusammensetzungsspektrum auf, mit Stearinsäure zwischen 14,2 und 60,1 %, Ölsäure zwischen 34,0 und 58,6 %, Palmitinsäure bei 3,0–18,0 %, Linolsäure bei 1,0–13,0 %, Linolensäure bei 0,25–5,3 %, Arachinsäure bei 0,35–4,0 % und Myristinsäure bei 0,1–8,0 %, sowie Spuren von Laurinsäure (weniger als 0,1 %) und Palmitoleinsäure (weniger als 0,4 %).
Bedeutung und Branchenausblick
Die geplante Zulassung dieser drei neuartigen Samenöle spiegelt Chiles sich wandelnden Ansatz zur Diversifizierung seines Speiseölsegments wider, der den globalen Trends bei funktionellen und Spezialfetten folgt. Alle drei Öle – allgemein bekannt als Sal-Fett, Kokumbutter bzw. Mangokernfett – haben sich in anderen Teilen der Welt, insbesondere in Süd- und Südostasien, in der Lebensmittelherstellung, der Süßwarenindustrie und der Kosmetikbranche etabliert. Ihr hoher Gehalt an Stearin- und Ölsäure macht sie besonders geeignet als Kakaobutterersatz und als funktionelle Fettzutaten. Eine formelle Anerkennung im chilenischen Lebensmittelrecht würde den Weg für ihren Import, ihre Vermarktung und ihre Verwendung in Lebensmittelrezepturen unter einer klaren und durchsetzbaren Regulierungsnorm ebnen. Interessengruppen, Branchenakteure und die Öffentlichkeit werden dazu ermutigt, sich über die offiziellen Kanäle des Gesundheitsministeriums an dem 60-tägigen Konsultationsprozess zu beteiligen.